Montag, 20. Juli 2009
Die Straße ist leer, und zieht sich vor mir her wie eine Schlange, die sich schlängelt und windet, aber niemals ein Ende findet. Es ist Nacht, und die Straßenbeleutung, die in dieser Gegend noch blass weiß und nicht merkwürdig gelblich ist, lässt nur ein paar Sterne am Himmel sehen. Unter meinen nackten Füßen kann ich den Asphalt spüren. Er ist noch immer Warm, es war ein heißer Tag. Die Körnige Struktur fühlt sich angenehm an, unter meinen Füßen.
Tagsüber tobt hier das Leben. Da fahren Autos hier lang, endlos lange, eins nach dem anderen. Da laufen die Menschen auf den Bürgersteigen, und ein jeder hat ein Ziel und eine Richtung in die er geht. Auf dieser Straße und im Leben. Jeder der hier lang läuft denkt, er wisse wo er hin will. Das nächste Warenhaus vielleicht. Oder die Drogerie um die Ecke. Vielleicht auch das Zu hause, oder das Heim eines Freundes. Jeder hat sein Ziel. Und jeder läuft nur auf dieses Ziel hin. Ein jeder Schritt hat seinen Sinn, seine Bestimmung. So sieht es auch oft im Leben dieser schnellen Schreiter aus. Da ist ein Ziel, dem einen klarer als dem anderen, und es gibt ihnen die Kraft vorwärts zu gehen, zur Ausbildung, zum Einfamilienhaus, zur nächsten Gehaltsabrechnung, egal wohin.
Jetzt, bei Nacht, gibt es kein Stures Gradeausrennen. Es gibt nur mich, die Straße und den warmen Asphalt unter mir. Und während ich hier langlaufe, ohne zu wissen wohin, da spüre ich es so intensiv wie selten zuvor: Es gibt mehr. Und es gibt mehr als nur totes dahinvegetieren. Es muss mehr geben. Manchmal da braucht es nur ein kurzes Innehalten, einige Sekunden in denen das leben kurz stockt, und diese eine Frage, die dann aus den tiefen unserer Herzen hochkommt: Wer bin ich?
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