Montag, 3. August 2009
Leid
Das Leben ist voll von Leid. Wohin man blickt in dieser großen weiten Welt, überall sticht einem das Leid entgegen. Es taucht im Scheinwerferlicht des Autos auf, wo hunderte von Lebewesen bei jeder fahrt ihre Existenz beenden müssen, es grinst uns frech aus den Eingeweiden eines überfahrenen Tieres oder abgeschlachteten Kindes an, es springt uns aus den Augen unserer Mitmenschen entgegen- und nur all zu oft lauert es im Spiegel, versteckt hinter unserem Spiegelbild, und schreit unsere Seele an. Es beginnt im kleinsten, dort, wo wir es nicht bemerken müssen, und selten wollen, auf der Wiese, zwischen den Grashalmen, wo der Tod durch Gift und Kampf täglich Millionen neuer Opfer findet. Und weiter setzt es sich fort, in den Wäldern und Wüsten, ob solche aus Schnee oder aus Sand, wo der Tod langsam und schleichend kommt, und er nicht selten der gnädige Erretter vom Leid ist, das sich der Verdurstenden und der Gejagten bemächtigt hat. Aber es ist nicht nur so offensichtlich zu gange, nein, nur ein kleiner Blick hinter den Vorhang reicht aus, und schon sehen wir wie jeden Tag Tausende Tiere zur Schlachtbank geführt werden, manchmal qualvoll, manchmal gnädig getötet werden, nach einem Leben das, immer noch zu oft, ein all zu Leidvolles war. Und weiteres Leid sehen wir, manchmal flackert es uns ins Gehirn, von einem Nachrichtensprecher dort eingepflanzt, zwischen Werbeblock und Spielfilm, der nicht selten von fiktivem Leid handelt, wie um uns zu versichern das es schlimmeres gibt als das bisschen Leid das uns jeden Tag widerfährt. Aber das Leid bleibt in der Flimmerkiste, und wabbert nur als Gedankenblase in unseren Köpfen herum. Nicht aber sehen wir das Leid, von dem noch vor dem Spielfilm ein kurzer, winziger, ja fast schon aberwitzig kleiner Ausschnitt gezeigt wurde, in sachlichen, emotionslosen Sätzen runtergespult. Wir vergessen es nur all zu schnell wieder. Aber es ist da, und das jeden Tag, jede Nacht, jede Stunde. Da verrecken Kinder an Hunger, werden tot geprügelt, vergewaltigt, körperlich wie seelisch, bekommen Gliedmaßen abgerissen oder abgesprengt, verbluten, werden gezwungen ihre Eltern zu erschießen, müssen sich für Essen prostituieren, werden geblendet und gehängt, verenden an Seelischer ud körperlicher Vernachlässigung, werden abgestumpft und ausgehöhlt, werden Erwachsen.
Die Bandbreite dessen, was wir Menschen uns gegenseitig antun ist so gewaltig, dass ich sie nicht einmal aufzählen kann. Wenn man sich ein paar Wochen Zeit nähme, und sich alle Grausamkeiten einfallen lassen würde, die einem in den Sinn kommen, so hätte man nicht einmal die Spitze dessen gefunden, was Menschen sich seit ihrem Glorreichen Auftritt vor ein paar Tausend Jahren schon angetan haben, und nicht einmal die Hälfte dessen was sie sich jeden verdammten Tag auf neue, immer und immer wieder antun. Der Menschen ist sich selbst das schlimmste Raubtier. So sprach ein Mann der weiser was als ich einmal. Und das ist ein guter Satz, ein wahrer Satz, und doch ein unvollkommener, deckt er doch nicht ab mit welchem Genuss Menschen sich immer wieder aufs neue aneinander auslassen. Und das schlimmste daran ist die Tatsache, das sie sich dabei immer wieder im Recht sehen. Da werden Frauen die Brüste abgeschnitten, und es ist rechtens, denn sie gehören zum falschen Stamm. Da werden Menschen gehängt, mit Stromstößen oder Gift umgebracht, und es ist rechtens, den sie waren ja Verbrecher. Da wird ein Dorf niedergebombt, und es ist rechtens, den es waren zwei Terroristen anwesend. Da werden Frauen vergewaltigt, über Stunden, über Tage manchmal, und es ist rechtens, den sie sind nur Besitz. Da werden kleinen Mädchen die Schamlippen abgeschnitten, und es ist rechtens, den es ist Tradition. Da werden tausende Tiere gezüchtet, nur um ein künstlich geschaffenes Bild einer Ernährungsvorstellugn zu bedienen, und es ist rechtens, den es bringt Geld ein. Oh, Mensch, wie kannst du es nur wagen dich als Krönung dieser Schöpfung zu bezeichnen?
Abonnieren
Posts (Atom)