Donnerstag, 8. Oktober 2009
Nicht genug Leid
Folgende Theorie:
Der Mensch lebt sein Leben, und er lebt es in einem Käfig aus System, Normen und Alltagstrott. Der Mensch, an sich ein mündiges Wesen und durchaus zu tiefergehenden Gedanken in der Lage, sitz da in seinem Käfig, und die Tür steht weit offen. Bricht er aus? Nein. Er bleibt da sitzen wo er ist, auf seinen vier Buchstaben, und nimmt es in kauf das er in einem Käfig lebt.
Er sieht weder die Gitterstäbe, noch die Tür, noch sieht er das da draußen, ausserhalb von einem Gehege, auch Menschen rumlaufen. Er sieht nur seine Käfigwelt. Er gibt sich damit zufrieden ein paar mal am Tag einige saftige Staeks oder Bio-Salate vor die Füße geworfen zu bekommen. Alles war er dafür machen muss ist 8 Stunden am Tag den Käfig zu putzen. Manchmal streicht er die Gitterstäbe Grün an und sagt: Juhu, wie individuell meine Welt doch ist. Manchmal streicht er sie auch schwarz an und schreit: Juhu, wie individuell meine Welt doch ist.
Manche Menschen sind Macher. Sie wissen von dem Käfig, und sie wissen wie wichtig er ist. Und weil sie ihn erhalten möchten machen sie dann Regeln über ihn. Wie breit die Gitterstäbe sein dürfen, oder welche Farben sie haben sollen um zueinander zu passen.
Andere sehen nicht nur den Käfig, sie sehen auch die Tür, die ja weit offen steht. Rennen sie hinaus in die Welt und entecken ihre neue Freiheit? Manchmal. Aber meistens ist ihnen ihr Steak oder ihr Bio-Salat zu wichtig, als das sie es riskieren würden.
Und jetzt kommt die entscheidende Frage. Sind die Menschen in ihrem Käfig glücklich?
Manche würden ja schreien, wenn man sie Fragt, und sich dann mit hassverzehrtem Gesicht die Augen auskratzen. Manche würde nein schreien und dann in Psychotherapie gehen, weil sie sonst nicht mehr ptzen könnten. Aber die meisten sehen einen doch nur verständnisslos an. Glück? Klar. Ich bin der glücklichste Mensch der Welt. Glück? Nee- aber so ist das Leben halt, ist eben kein Ponnyhof. Glück? Klar. Jeden Abend vor der Glotze.
Und jetzt veratte ich euch was. Als ich heute Abend im Zug gesessen habe, ein Zug in dem jeder Sitztplatz besetzt war, an einem Mittwoch Abend um 8, da habe ich nicht einen einzigen Menschen lächeln sehen. Nur leere Augen. Und alle haben die Gitterstäbe angestarrt.
Lasst es mich einmal sagen, nur einmal.
Ich
will
hier
raus!
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